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Guys & Dolls
in London
Zwei "Dolls" in London oder "... Luck be a Lioness tonight!"
Freitag, 28. Oktober 2005 ... Da hatte Frau gehofft, im sitzheizungsausgestatten Auto ihres Freundes ein wenig stressfreier und bequemer zum Flughafen zu kommen als in der um die Abendzeit herum hoffnungslos überfüllten Münchner S-Bahn, und was hat sie nun davon? Stau! Eine Stunde vor dem Abflug tuckerten wir (mein Schatz Flo und ich) noch immer mit schätzungsweise 5 Stundenkilometern ? aber dafür mindestens 250 Pulsfrequenz! ? auf der Autobahn dahin, und ich sah meinen Flieger in Richtung London schon ohne mich abheben. Meiner Freundin Conny, die mit dem Flughafenshuttle aus Innsbruck nach München kommen sollte, erging es nicht viel besser. Zu blöd, aber wir hatten beide den Beginn der bayerischen Herbstferien vergessen! Zum Glück haben wir es irgendwie dann doch noch geschafft, fielen uns im Terminal 2B erst einmal aufgeregt um den Hals und checkten dann bei British Airways ein, um zu unserem gemeinsamen Wochenende in unserer erklärten Lieblingsstadt aufzubrechen. Conny ist eine meiner besten und liebsten Freundinnen, die ich über ein Science Fiction-Forum kennengelernt habe, und für diesen Kurztrip haben wir uns perfekt ergänzt: Am Samstag war "mein" Tag, mit Musical und Ewan und stundenlangem Um-das-Theater-Schleichen, dafür gehörte der Sonntag auf der London Expo Convention (eine SciFi-Con im ExCeL Centre in den Docklands) dann ihr, und ich habe sie mit sämtlichen Schauspielern dort fleissig fotografiert. Der Weg nach London verging wie im Flug (...ha-ha!), wir hatten uns schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen und daher natürlich viel zu erzählen. Ausserdem musste ich Conny zum x-ten Mal meinen Schlachtplan für den Samstag darlegen ? nicht umsonst habe ich die Erlebnisse im Forum studiert und mir genau gemerkt, wo denn nun dieser Motorradeingang liegt, der uns am nächsten Tag tatsächlich so viel Glück bringen sollte! Wie immer war der nächtliche Anflug auf London am Ende der eineinhalb Stunden ein richtiger Gänsehautmoment ? wie leuchtende Spinnennetze ziehen sich da die Straßen über die dunkle Fläche unter uns, man kann genau erkennen, wo die Themse verläuft, und alles ist in ein Lichtermeer getaucht, das ebenso atemberaubend wie einladend wirkt. Wir landeten kurz nach zehn Uhr abends in Heathrow, und von dort war es mit der Tube nur eine knappe halbe Stunde bis zu unserem Hotel ganz in der Nähe der Victoria Station (wie immer war ich mit dem Moment so wirklich in London angekommen, in dem ich in der ratternden, furchtbar lauten und schwankenden U-Bahn saß), das sich als klein und ziemlich alt, aber für diese Preiskategorie wirklich annehmbar und glücklicherweise auch recht sauber entpuppte. Gegen halb zwölf fielen wir müde ins Bett ? schlafen konnte ich aber die ganze Nacht dann nicht wirklich! Samstag, 29. Oktober 2005 Begleitet von sämtlichen nur vorstellbaren Geräuschen, die durch die dünnen Hotelwände zu mir durchdrangen, und verfolgt von Gedanken und Wunschträumen in Bezug auf den folgenden Tag hatte ich die ganze Nacht nur mehr oder weniger wach vor mich hingedämmert. Um sechs Uhr morgens hielt ich es dann endgültig nicht mehr im Bett aus und bin ? erstaunlich putzmunter und bereits extrem aufgekratzt ? erst einmal duschen gegangen. Zum Glück hat Conny einen extrem tiefen Schlaf und ist diese frühmorgendlichen Aktivitäten meinerseits bereits gewohnt! Nach dem Frühstück ein paar Stunden später (solide kontinental mit Cornflakes und Toast ? keine Ahnung, was eggs und beans mit meinem schon mehr als nervös flatternden Magen angestellt hätten!) sind wir zum Oxford Circus gefahren, und ? da es erst zehn Uhr vormittags war ? auf dem Weg zum Piccadilly Theatre noch ein wenig shoppen gegangen (Hamleys ? das riesige Spielzeuggeschäft, Lush ? handgemachte Seifen und Badeprodukte, mit ihrem intensiven bis überwältigenden Duft eine richtig blöde Idee bei oben erwähntem Kapriolen schlagenden Magen!). Gegen elf bogen wir dann irgendwo hinter dem bekannten Gebäude mit der Leuchtreklame und immer den Wegweisern folgend in die Straße zum Theater ein ? und ich bin erstmal überwältig stehen geblieben. ...Oh, WOW! War das SCHÖN! ...Ein Theatertempel für Ewan! Für ein paar Sekunden bin ich in die unkontrollierten Verzückungsschreie ausgebrochen, die Conny an diesem Wochenende auch immer dann ertragen musste, wenn einer der schicken "Episode III"-Doppeldeckerbusse an uns vorbeikam (einmal war es sogar ein "Island"-Bus!), und dann wurde das Theater erst einmal ausgiebig von innen (Foyer) und aussen und allen Seiten bestaunt, bevor mein taktischer Verstand einsetzte und ich Conny zu einer strategischen Schlachtfeldbegehung Stage Door ? Eingang ? Motorradtor ? nähere Umgebung) beorderte. Das Wetter war an diesem Tag so mild und teils sogar sonnig, dass ich instinktiv den Motorradeingang für den richtigen auserkor, und so haben wir dort Wachposten bezogen, gönnten uns zwischendurch einen Kaffee bei " Nero "und liefen immer mal wieder ein wenig auf und ab, um nicht gar so aufdringlich zu wirken. Wir waren die einzigen, die den Motorradeingang im Auge behielten, aber auch insgesamt war an diesem Vormittag eher wenig los in Sachen wartender Fans ? vier oder fünf Mädels standen noch an der Stage Door, und später habe ich an der Straßenecke gegenüber des Haupteingangs drei sehr nette Französinnen kennengelernt, die auch extra wegen Ewan angereist waren. Das war´s aber auch schon. Bei jedem ankommenden Motorradfahrer schlug mir das Herz bis zum Hals, und gleichzeitig habe ich mich jedesmal auch ein wenig geniert, gar so offenkundig vor diesem Tor herumzulauern. Ich bin einfach nicht der Typ Mensch, der so etwas normalerweise macht, ich möchte weder aufdringlich noch " ein Problem " sein, und wäre Conny nicht gewesen, wer weiß, ob ich Ewan überhaupt angesprochen hätte! Irgendwann, als wir gerade wieder ein Stück vom Tor entfernt standen, hielt ein rotes Motorrad in der Straße vor der Einfahrt, und als ein Mädel mit Rucksack, das wir bis dahin nicht bemerkt hatten, daraufhin aus ihrem "Versteck" an der Hauswand herauskam und dem Motorrafahrer die Hand hinstreckte, wusste ich augenblicklich ? DAS MUSSTE ER SEIN! Conny, durch meinen Gesichtsausdruck und das leise "Oh, mein Gott..." alarmiert, hat mich dann irgendwie wieder näher an das Tor herangeschleift, und so standen wir plötzlich nur einige Meter von Ewan entfernt, der dieses gerade von innen erneut öffnete, herauskam und es hinter sich zumachte. Dieses Bild von ihm ist mir eigentlich am besten im Kopf geblieben ? und ab dem Punkt ist leider alles nur noch verschwommen, und ich musste mich später auf Connys Schilderungen verlassen. Conny, meine wagemutige und unverdrossene Freundin, ist lächelnd auf Ewan zugegangen, und obwohl er scheinbar ziemlich in Eile war, hat er uns bemerkt und ist kurz stehengeblieben. Er hat uns beiden die Hand geschüttelt, und ich habe es irgendwie geschafft, ihm zu erzählen, das wir extra wegen der Show aus Deutschland (Conny fiel gleich korrigierend ein "...and from Austria!") angereist waren. "Are you girls going to see the show now?" fragte Ewan, und ich kann mich noch vage daran erinnern, dass ich überrascht war, wie tief und fest seine Stimme klang. "Not, tonight", sagte ich. Toll. Ich hatte mir vorgenommen, ihm sooooo viel zu sagen, sollte ich ihn wirklich treffen, und jetzt spielte ich den Fisch! Und was mich noch viel mehr ärgert ? ich IDIOTIN habe ihm nicht in die Augen geschaut! Ich kann mich noch an seine schwarze Motorradkluft erinnern, an sein Haar und an die charakteristische Stirn ? aber so richtig ins Gesicht habe ich ihm nicht geschaut! Wie blöd kann man eigentlich sein... Ewan wünschte uns noch freundlich "Enjoy the show!" ? und dann war er auch schon wieder weg, und ließ Conny grinsend und mich fassungslos zurück. Irgendwie konnte ich mich in den nächsten paar Stunden, in denen wir ? da wir ja noch Zeit bis zur Abendvorstellung hatten ?, Harrods und Covent Garden besuchten, nicht wirklich über mein Glück freuen. Ja, ich hatte Ewan getroffen ? aber er war so furchtbar in Eile und ich hatte das Gefühl, ihn mehr gestört und genervt als alles andere zu haben (was vermutlich Unsinn ist, denn er hat sich wirklich nett verhalten und nicht den Eindruck gemacht, sauer zu sein). Ausserdem lag der ganze Moment in einem so dichten Nebel, dass ich genau wusste, ich hatte ihn nicht bewusst erlebt, sondern er war an mir vorübergezogen und unwiederbringlich vorbei, ohne dass ich ihn wirklich genutzt hatte. Oh, Mann. Ich weiß, ich bin schrecklich undankbar, aber ich hatte mir das alles in meinen kühnsten Hoffnungen ganz anders ausgemalt, und ich konnte mich an diesem Nachmittag daher nur noch über mich selbst ärgern. Ich muss ja einen schönen Eindruck bei Ewan hinterlasen haben! Mein einziger Trost war die Vorfreude auf die Show. ...Und dort wurde ich glücklicherweise wirklich nicht enttäuscht! Es wurde ein genialer Abend! Aufgehübscht und mit strahlenden Gesichtern warteten wir draussen vor dem Theater, weil dort die Luft einfach frischer war, und prompt hat uns einer der Theatermitarbeiter, der für die Gästebetreuung zuständig war, angesprochen und sich eine Weile sehr nett mit uns unterhalten. Er hat uns erzählt, dass er Ewan auch einmal persönlich getroffen hat, und dass er wirklich ein "very nice guy" ist. Als wir später an unsere Plätze (Reihe F links aussen) kamen, musste ich erst einmal wieder nach Luft ringen ? Himmel, war das nahe dran! Wooooooha! Und da Ewan große Teile des Stücks auf der linken Bühnenseite zubrachte, hatte ich tatsächlich eine grandiose Sicht auf ihn. Die ganze Show über hatte ich eine dicke Gänsehaut und ein breites Grinsen im Gesicht. Was für ein fantastisches Musical! Tolle Musik, irre witzig, klasse Bühnenbild! Jane Krakowski und Douglas Hodge hatten mich nach den ersten paar Minuten bereits voll auf ihrer Seite, einfach großartig! Und die genialen Crapshooters waren gleich nach Ewan meine Favoriten des Abends. Anfangs kam mir Ewans Stimme übrigens fast ein wenig fremd vor, wie schon bei unserer kurzen Begegnung auf der Straße hatte ich sie (vor allem aus "Star Wars") wesentlich sanfter und weniger kräftig in Erinnerung. Als er dann aber zu singen anfing oder für ihn ganz typische Betonungen fielen (z.B. geht er bei Fragesätzen mit der Stimme so herrlich nach oben!), da habe ich ihn völlig " wiedererkannt ", und es war so real, ihn nur ein paar Meter entfernt vor mir auf der Bühne stehen zu haben, dass es einfach zum Heulen schön war. An das Musical habe ich daher auch wirklich plastische, lebendige Erinnerungen, an seine kleinen Bewegungen, an seine Gesichtsausdrücke, daran, wie er getanzt hat (Wow! Wow! Wow!), und dass er dabei immer ein klein wenig angestrengter wirkte als seine Profikollegen... Bei einigen besonders toll gesungenen Passagen konnte ich mir ein hingerissenes Seufzen auch wirklich nicht verkneifen, und ich habe mir am Ende jeder Ewan-Nummer die Kehle heiser gerufen! Am Ende der Show gab es standing Ovations, doch dann trat Ewan an den Rand der Bühne und versuchte, das Publikum zum Schweigen zu bringen ? was ihm erst einmal eine heftige Kreisch- und Johlsalve einbrachte! Er bat dann die Theaterbesucher um Spenden für einen Hilfsfond, und wieder war es so real, wie er dort stand und mit freundlichen, ruhigen Worten redete, das war so er, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, dass ich es einfach nur in vollen Zügen genoss. Nachdem ich mich am Merchandisingstand noch rasch mit einem T-Shirt und einer Tasse eingedeckt und den Rest des Geldscheins gespendet hatte, sind Conny und ich nach draussen zum Motorradeingang gegangen, wo wir auch wieder auf die drei Französinnen trafen. Die Mädels waren zwar schon in der Matinee, sind aber extra wegen Ewan abends nochmal ans Theater gekommen! Wir haben uns prima unterhalten, bis schließlich das Tor aufgesperrt wurde, ein Ordner uns mit wichtigem Gehabe den Weg verbaute, und Ewan an uns vorbei in die Nacht hinausbrauste. Durch das hochgeklappte Helmvisier konnte ich sein Gesicht ein letztes Mal sehen, und ich habe ihm ein stilles Goodbye nachgeschickt. Conny und ich sind anschließend noch vor an die Stage Door gegangen, wo wir das Glück hatten, von einer sehr netten Frau den Tipp zu bekommen, dass Douglas Hodge sich im Pub gleich neben dem Theater gerade sein Feierabendbier gönnte. Wir sind hineingelaufen (...lustig, in unserem feschen Outfit plötzlich inmitten von eher leger gekleideten Pubbesuchern zu stehen!) und haben Douglas in einem günstigen Moment höflich angesprochen und ihm für den schönen Abend gedankt. Er war wirklich SUPERnett, hat sich total darüber gefreut, dass wir extra aus Deutschland (...jaaaa, Österreich, Conny!) angereist sind und dass uns die Show so gut gefallen hat. Er hat uns beiden die Hand gedrückt und das Programmheft signiert, und dann wollten wir wirklich nicht weiter stören und haben uns wieder verabschiedet. Auf der Straße hat uns dann noch ein sehr nettes Mädel auf deutsch angesprochen, wieder ein Ewanopfer, das wegen ihm den weiten Weg auf sich genommen hatte, und wir haben spontan Mailadressen getauscht. Über den nächtlich-turbulenten Piccadilly Circus und die Regent Street ging es zurück zum Hotel, und wir konnten uns dabei kaum beruhigen, was für ein fantastischer Abend hinter uns lag. Sonntag, 30. Oktober 2005 Nach dem Frühstück haben wir den restlichen Tag bis zum Abflug auf der London Expo Convention verbracht, und ich konnte mich dort auf meine Weise bei Ewan bedanken! Es wurden ein paar sehr lustige und entspannte Stunden, wir sind so einigen Schauspielern aus Film und Fernsehen (hauptsächlich SciFi, aber auch z.B. Andy Serkins, Gollum aus LOTR) begegnet, und auch zwei englische Freunde von uns haben wir dort mit großem Hallo wieder einmal getroffen. Zwei kleine Abschiedstrostpflaster gab es auch noch für mich - Conny hat beim Auschecken aus dem Hotel als Überraschung den "Island"-Soundtrack aus ihrem Koffer gezaubert und ihn mir geschenkt, und am Flughafen konnte ich endlich die englische Originalversion von "Trainspotting" erstehen, noch dazu in der Special Edition! Leider war der Rückflug nach München sehr anstrengend, wegen Nebel hatten wir ein ganzes Stück Verspätung, die der Pilot auf den letzten paar hundert Kilometern scheinbar wieder hereinholen wollte ? jedenfalls hat er so kräftig Schub gegeben, dass ich am Ende keinen Tropfen Blut mehr im Kopf hatte und das Gefühl, nur noch durch Watte zu reden und zu hören. Entsprechend körperlich erschöpft war ich bei der Ankunft, und nachdem mein Schatz mich wohlbehalten wieder nach Hause am anderen Ende von München gebracht hatte, bin ich relativ bald in die Federn gefallen. Schon an dem Abend spürte ich irgendwie, dass ich noch nicht abgeschlossen hatte mit Ewan und mit "Guys and Dolls", dass ich noch einmal zurückmusste ? Auf ein Neues im Dezember! |
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