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Seit Trainspotting ist klar: Dieser rotzige, aber überaus charmante Brite wird ein ganz Großer. Als Jedi-Ritter hat der 28jährige nun in Star Wars auch die Macht auf seiner Seite. AMICA: Wann haben Sie zum erstenmal Star Wars gesehen? McGregor: Mit sechs. AMICA: Da durften Sie hin? McGregor: Meine Eltern haben mich und meinen Bruder mitgenommen. Ich erinnere mich, wie ich draußen vor der Schule auf sie gewartet habe und meinen Freunden erzählte, ich würde gleich Star Wars sehen. Die platzten fast vor Neid. Das war das erstemal, dass ich überhaupt im Kino war. Um meinen Onkel zu sehen, der spielte im Film mit. AMICA: Und? Wie war’s? McGregor: Riesig. Aufregend. Ich finde, es ist das beste moderne Märchen, das ich je gesehen habe. Es gibt eine Prinzessin, Zauberer, alles, was man als Kind bewundert hat. AMICA: Wer wollten Sie sein? McGregor: Prinzessin Leia. Sie ist wunderschön. Nein, ich wollte mit ihr zusammen sein. Für immer. Ich war so verliebt in sie. Ich habe immer noch einen besonderen Platz in meinem Herzen für sie reserviert. AMICA: Was wird Star Wars aus Ihrem Leben machen? McGregor: Keine Ahnung. Es gibt mir die Gelegenheit, die Filme zu machen, die ich gerne machen möchte. Es gibt mir finanzielle Unterstützung. Es nimmt Druck von mir. Ich spiele im größten Film aller Zeiten mit, und das ist es. Das beste, was ich tun kann. AMICA: Sie beschrieben die Dreharbeiten als "Mischung aus Aufregung und Langeweile". Was war aufregend, was langweilig? McGregor: Das Aufregende daran war, in Star Wars zu sein. Das ist ein bisschen wie das erstemal Sex haben: eine völlig neue Welt, von der man aber schon so viel gehört hat. Man erkennt alles, hat es aber nur auf der Leinwand gesehen und darf es jetzt plötzlich anfassen. Diese faszinierenden technischen Spielereien, Laserschwert und Spaceship-Zeug! Das Langweilige daran ist, dass man nicht im Weltraum ist. Man tut nicht das, wonach es nachher aussieht. Da ist eine Menge Technik zwischengeschaltet. AMICA: Kein Weltraumausflug? McGregor: Ich wollte unbedingt! Es gab da dieses eine Schiff, dieses superscharfe Ding, und ich fragte George Lucas: "Was machen wir damit? Darf ich damit rumfahren?" Und er sagte: "Das wird nicht benutzt! Nicht wirklich!" Ich musste mich immer wieder daran erinnern, dass wir bloß einen Film drehen. Ich habe Angst, dass ich auf der Leinwand die ganzen Tricks durchschaue. AMICA: In Star Wars geht es um Macht. Wer hat im wirklichen Leben die Macht? McGregor: Normalerweise die falschen Leute. Politiker, Finanziers, Geschäftsleute. AMICA: Wer sollte Macht haben? McGregor: Die Menschen. Die Welt ist unsozial geworden, es geht nur noch darum, die Wirtschaft zu fördern. Wo bleiben Kunst, Ausdruck, Menschen? Etwas ist furchtbar schiefgelaufen. Amerika ist das mächtigste Land der Welt, aber das ganze Waffending dort ist außer Kontrolle. Kinder erschießen ihre Mitschüler - schrecklich! Die Waffen-Lobby hat die Macht, deshalb wird dieses Problem nie gelöst werden. Nur zehn Prozent der Amerikaner haben einen Pass, die anderen wollen das Land nie verlassen. Sie wissen nichts vom Rest der Welt. AMICA: Glauben Sie, daß Sie die Welt ein bisschen ändern können? McGregor: In meinem Geschäft kann man andere Welten zeigen, wie zum Beispiel bei Star Wars. Die alte Gut-gegen-Böse-Geschichte. Richtig gegen Falsch. Ich glaube allerdings nicht, dass ich ganz Amerika so schnell einen moralischen Schubs geben kann. Dafür basiert Star Wars auch zu sehr auf japanischer Kultur. Auch die Ideen, die hinter der Macht, den Jedis stehen, das Spirituelle. Es geht dabei nicht um Religion, sondern um Energie. Die Kontrolle von Energie. AMICA: Können Sie denn jetzt auch die Energie kontrollieren? McGregor: Wir haben in der Schauspielschule Übungen gemacht, um Energie zu kanalisieren. Das gibt enorme Kraft, nur durch Atemtechniken und Meditation. Es gibt da diese eine Technik, wenn man das macht, kann niemand deinen ausgestreckten Arm beugen. AMICA: Mal in Japan gewesen? McGregor: Nein, aber gerade läuft dort eine Jeanswerbung mit mir. Überall hängen Kate-Moss-große Plakate: ich in Jeans. Das würde ich gerne sehen. AMICA: Sie sind also die japanische Kate Moss? McGregor: Ja, genau. Das kann man so sagen ... So denke ich über mich. AMICA: Würden Sie hier in England auch Werbung machen? McGregor: Absolut nicht. Das japanische Ding habe ich allein aus finanziellen Gründen gemacht. Jetzt besitze ich ein schönes Haus. Hat sich also gelohnt. AMICA: Warum nicht? McGregor: Es ist einfach langweilig. Außerdem: Erst Schauspieler und dann Rockstar sein - das funktioniert nicht. Das hat noch nie funktioniert. Entweder ist man Rockstar oder nicht. Das ist das Ding. Viele Rockstars werden Schauspieler - normalerweise nicht sehr gute Schauspieler, aber immerhin. Andersherum scheint es nicht zu gehen, obwohl es gerade bei Seriendarstellern sehr beliebt ist. Alle Seriendarsteller wollen eine Musikkarriere, und die dauert dann meist drei Minuten: viele Coverversionen, viel Schrott. AMICA: Wie wollen Sie sein, wenn Sie alt sind? McGregor: Äh ... Ich möchte dort leben, wo es sehr heiß ist, viel Platz haben, einen riesigen Pool, tolle Aussicht. Meine Kinder kommen mich besuchen, und ich gebe Partys für sie, meine Enkel, alle ihre Freunde. Ich mag Partys, das wird wohl immer so bleiben. Außerdem will ich Regie führen und schreiben. AMICA: Wie sehen Ihre Partys aus, wenn Sie 90 sind? McGregor: Ich rolle von Tisch zu Tisch und unterhalte die Gäste. Ich werde geschmeidig und sophisticated sein, und alle müssen über meine Witze lachen, die natürlich fantastisch sind. AMICA: Alte oder neue Witze? McGregor: Och, die alten Anekdoten natürlich, tausendmal habe ich die dann schon erzählt. AMICA: Was ziehen Sie vor: Geschirr abwaschen oder den Müll runterbringen? McGregor: Den Müll natürlich! Der Job wurde extra erfunden, damit Männer sich zu Hause nützlich fühlen - was sie natürlich nicht sind. Es gibt Männern Selbstbewusstsein. Sie können sich aus dem Haus bewegen und dürfen etwas Schweres tragen. AMICA: Sind Sie ein brauchbarer Hausmann? McGregor: Nur wenn ich alleine bin. Dann bin ich sehr ordentlich und sauber. AMICA: Warum? McGregor: Vielleicht, weil zu viel passiert, wenn Leute um mich herum sind. Interessantere Dinge. Wenn ich allein bin, kann ich mich in einen richtigen Putzwahn steigern. Ich mache zweimal in der Woche Großputz. Mindestens vier Stunden. Das befriedigt mich. AMICA: Tatsächlich? McGregor: O ja! Außerdem fühle ich mich sehr viel wohler, wenn alles aufgeräumt ist. Auch so ein Männer-Ding. Dabei ist es viel einfacher, wenn sich nicht alles auf einem Haufen türmt. AMICA: Was ist noch anders zwischen Männern und Frauen? McGregor: Es gibt da noch ein paar andere physische Unterschiede, die Ihnen vielleicht schon aufgefallen sind. AMICA: Ach ja, das. Das meinte ich gar nicht. McGregor: Es gibt da diese Studie, da mussten Männer und Frauen in einer ihnen fremden Küche mehrere Jobs erledigen: Toast machen, Ei kochen, Hemd bügeln ... Dafür hatten sie vier Minuten Zeit. Alle Frauen haben es geschafft, die Männer nicht. Die haben etwa erst das Hemd gebügelt, dann das Wasser für das Ei aufgesetzt. Wir Männer haben ein Problem mit Routinearbeiten. Wir können die Dinge in unserem Kopf nicht organisieren. Ständige Wiederholungen vertragen wir auch nicht. AMICA: Daher müssen Männer stets neue, spannende Dinge tun? McGregor: Klar, deshalb muss ich das ganze glamouröse Zeug machen. Nur deswegen. AMICA: Haben Sie mehr männliche oder mehr weibliche Freunde? McGregor: Männliche. AMICA: Verstehen die Sie besser? McGregor: Glaube ich nicht. Es hat wohl was mit Sex zu tun. AMICA: Warum? McGregor: Darum. AMICA: Glauben Sie, dass Männer und Frauen ... McGregor: ... nicht befreundet sein können? Nein, nein. Aber ich glaube, daß sie immer einen Punkt erreichen, wo irgend etwas Sexuelles passiert. Das liegt in unserer Natur! AMICA: Ihr Lieblingstraum? McGregor: Der mit Walen. Ich saß mit einer sehr alten Dame in einem Ruderboot. Sie schrieb etwas in ein Notizbuch, während ich ruderte. Hinter uns tauchte ein riesiger Wal aus dem Wasser auf. Er sprang hoch, flog über mich, tauchte auf der anderen Seite vom Boot wieder ein und verschwand im Blau. Dann noch einer und noch einer. Bis das Boot von einem Kreis aus Walen umgeben war. Ich habe mir vor Angst fast in die Hose gemacht. Aber es war auch schön, das Wasser war ganz ruhig. Mitten in dieser aufregenden Situation sah die alte Dame von ihrem Notizbuch auf und sagte: "Das letztemal, dass ich in einem Kreis aus Walen saß, war Neunzehnhundertirgendwas." Ich kann mich nicht mehr an die Jahreszahl erinnern. Aber der Traum war so klar, so deutlich, ich meinte sogar, Wasserspritzer zu fühlen. Interview: Kirsten Rick |