"Ich verkaufe mich über meinen Körper."

Das ist stark untertrieben, denn Filmstar Ewan McGregor verfügt auch über eine unwiderstehliche Mischung aus Charme, kindlicher Offenheit, erotischer Ausstrahlung, Talent - und neuerdings Komik
In Kürze:
Der Schauspieler:
Die Schule lag ihm nicht, er schmiss hin und ging zum Theater. Der Kino-Überraschungserfolg "Trainspotting" machte den damals 25-Jährigen weltweit berühmt. Seitdem ist er bestens im Geschäft. Der Hollywood-Hasser lebt mit Frau und Töchtern (7 und 2 Jahre) in London.
Der Film:
"Down With Love" ist eine schräge Sechziger-Jahre-Komödie. Der Playboy Catcher Block (McGregor) fühlt sich durch eine höchst emanzipierte Autorin (Renée Zellweger) bedroht. Nur die Liebe zu ihm könnte sie stoppen - so sein Plan.


Der 32-Jährige überrascht in "Down With Love" als Rock-Hudson-Remake.

Für Sie: Die Hauptfigur Catcher Block sieht smart aus, benutzt die Frauen aber nur. Macht es Spaß, so einen Draufgänger zu spielen?
Ewan McGregor: Am Anfang hatte ich Hemmungen, so schamlos zu sein. Heute verhalten sich Männer nicht mehr so. Aber mit jedem Drehtag habe ich mich freier gefühlt, und am Ende - ich muß es zugeben - hat mir die Rolle wirklich gefallen.
Spielen Sie auch privat gelegentlich den Playboy?
Das ist früher schon vorgekommen. Da konnte ich mir zwar keine schicken Anzüge und schnellen Autos leisten, war aber ein echter Frauenheld.
Man kennt Sie eher in ernsten Rollen. Warum eine Komödie im Stil der sechziger Jahre?
Genau weiß ich das auch nicht. Aber im Ernst: Ich fand es interessant, dass ich mich anstrengen mußte. Diesmal habe ich nicht gefühlt, was ich darstellen soll, sondern musste es richtig einüben. Auch die Komik. Ich musste lernen, komisch zu spielen. Das war seltsam.
Durch Ihre Rolle in "Star Wars" sind Sie zum internationalen Star aufgestiegen. Hat das Ihr Leben verändert?
Wissen Sie, was mich wirklich verändert hat? Der großartige Moment, in dem ich mich in einen Jedi-Ritter verwandelt habe. Meinen ersten "Star Wars"-Film hate ich mit acht gesehen. Seitdem wollte ich ein Jedi-Ritter sein. Als der Ausstatter an den Set kam, eine Kiste mit Leuchtschwertern öffnete und ich mir eins aussuchen durfte, wurde ich vor Glück fast ohnmächtig.
Das hat Ihnen Hollywood aber nicht näher gebracht.
Nicht im Geringsten. Jeder weiß, dass ich mich dort extrem unwohl fühle und mir dieser Mist mit "A-Listen", "B-Listen", "C-Listen", Produzententreffen und Budget-Gesprächen total auf die Nerven geht. Ich will damit nichts zu tun haben.
Trotzdem sind Sie gut im Geschäft.
Zum Glück gibt's immer noch Regisseure, die nicht darauf achten, wer auf welcher Liste steht, sondern danach entscheiden, wer der Beste für eine bestimmte Rolle ist. Außerdem habe ich kein Problem damit, mich vor der Kamera zu entblößen. Ich verkaufe mich über meinen Körper (lacht).
Was sagen Ihre Eltern dazu, wenn ihr Sohn manchmal nackt auftritt?
Nachdem mein Vater "Die Bettlektüre" gesehen hatte, bekam ich ein Fax. In dem stand: "Ich bin froh, dass ich dir mein bestes Stück im gleichen Maßstab vererbt habe." Meine Eltern sind unheimlich stolz auf mich.
Und wie reagiert Ihre Frau?
Sie sieht mich auf der Leinwand doch lieber im Ritterkostüm.

Interview: Sandy Schmitt-Lansing