The Knight is Young. Ein neuer Star Wars-Film und ein neuer Obi-Wan Kenobi. Ewan McGregor streift sich die Jedi-Robe über, um einen jüngeren, ungestümeren Ritter zu spielen. Von Jean Cummings.Ewan McGregor hat immer nur einen Vorsatz gehabt, seit er mit 16 Jahren sein Zuhause verließ, um sein Ziel zu verfolgen: "Ich wollte Schauspieler werden, kein Star." Bislang hat er auch genau das gemacht. Im heimatlichen Schottland ist er auf der Bühne aufgetreten, er war im Fernsehen zu bewundern und im Kino an der Seite von Gwynneth Paltrow (Emma) und Cameron Diaz (Lebe Lieber Ungewöhnlich).Nun hat sich aber – trotz seiner Ablehnung, ein Star zu werden – für Ewan alles verändert, sowohl beruflich als auch privat. Er ist Obi-Wan Kenobi in Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung. McGregor wurde am 31. März 1971 im schottischen Crieff als zweiter Sohn von James und Carol McGregor geboren, die beide als Lehrer tätig sind. Er besuchte die Morrison’s Academy in Crieff und studierte ein Jahr lang im schottischen Kirkaldy Drama. Nachdem er in London die Guildhall School of Music and Drama besucht hatte, schloß er sich mit 16 dem Theater an. Nach seinem britischen TV-Debüt im Jahr 1993 hat der gutaussehende junge Schauspieler in halsbrecherischem Tempo sowohl fürs Fernsehen als auch fürs Kino gearbeitet. Über seine Einstellung zur Arbeit befragt, macht er keinen Hehl daraus, daß die Bezeichnung Workaholic durchaus auf ihn zutrifft. "Ich mag einfach meine Arbeit", sagt er ohne Zögern. "Wissen sie, ich liebe meine Arbeit. Ich wurde nicht Schauspieler, um nicht zu arbeiten. Ich wurde auch nicht Schauspieler, um ein Star zu werden. In diesem Punkt bin ich immer sehr arrogant gewesen. Und ich habe großes Glück gehabt. Das mache ich mir jeden Tag bewußt, aber ich empfinde auch immer noch sehr viel Leidenschaft für meine Arbeit. Ich habe hart dafür gearbeitet, um das zu erreichen, darum benehme ich mich auch nicht selbstgefällig. Aber ich muß auch sagen, daß es phantastisch ist, zu arbeiten. "Ich lebe dabei förmlich auf," fügt er voller Energie hinzu. "Und darum bin ich glücklich, wenn ich arbeite." Natürlich hat McGregor bei Autor / Regisseur George Lucas die Garantie für zwei weitere Star Wars-Filme unterschrieben, und jedesmal wird er dabei eine Rolle spielen, die durch einen Schauspieler von Weltruf legendär wurde: Alec Guinness. Diese Tatsache hat der junge Ewan nicht übersehen. "Ich war sechs Jahre alt, als ich den ersten Star Wars-Film sah. Alec ist für diesen Part zu einer Legende geworden, obwohl er nur in der Hälfte des Films mitgespielt", erklärt der Schauspieler. "Er spielt wirklich nur die halbe Zeit über mit. In dem Alter war ich von dem Film völlig hingerissen. Ich finde, das ist ein tolles Alter, um einen solchen Film zu sehen. Und dann seinen Part zu übernehmen, das war eine richtige Herausforderung. Einer der interessantesten Aspekte an der Rolle bestand darin, einen Typ zurückzuverfolgen, den wir als älteren Mann kennen. Herauszufinden, wie er als jüngerer Mensch sein könnte, ohne ihn zu imitieren. Ich mußte mir die Rolle zu eigen machen und ihr zugleich die Aura von Alec verleihen. Aber im Grunde habe ich einfach nur meine Stiefel angezogen, den Umhang umgehängt und dann meinen Part gespielt." Diese Äußerung macht er mit einer anscheinend professionellen Selbstsicherheit, hakt man aber nach, dann räumt er doch ein, daß es doch überwältigend ist, Teil eines solchen Films zu sein. Das gilt vor allem für einen Film, in dem es so viele Spezialeffekte und computererzeugte Charaktere gibt. "Ich glaube, daß man an einem solchen Film in der Art herangeht, daß man weiß, es wird etwas anderes sein," sagt er einfach nur. "Mir war völlig klar, daß dieser Film eine deutlich andere Erfahrung werden sollte als alle anderen Filme, die ich bis dahin gedreht hatte. In diesen Produktionen filmt man die Schauspieler und gibt ihnen Regieanweisungen, dann nimmt man die Filmschnipsel und schneidet sie zusammen, und daraus entsteht dann der Film. Hier ist es so, daß die Schauspieler gefilmt werden und Regieanweisungen erhalten, dann wird das alles mit etwas völlig anderem vermischt, mit anderen, computererzeugten Sachen. Es ist letztlich das gleiche, aber es ist technischer, und es gibt Tricks, die man lernt. Und man gewöhnt sich daran, bestimmte Dinge zu tun. Zum Beispiel Ahmed Best, der Jar Jar Binks spielt: Er war nur die halbe Zeit da. Wir machten sechs oder sieben Takes mit Ahmed, danach das gleiche noch einmal, aber ohne ihn. Dann schauspielert man ins Nichts," beschreibt er die Erfahrung. "Man agiert gegen die Luft, das ist eine ganz ungewöhnliche Sache. Anfangs kommt man sich ein wenig albern vor, aber nach und nach gewöhnt man sich daran, bis es schließlich zu einer weiteren Schauspieltechnik wird. "Man sammelt ein wenig Erfahrung, und dann machte es mir nichts mehr aus," sagt er. "Es hat mich nicht aufgeregt, ich fühlte ich nicht unzufrieden. Als Schauspieler war ich sehr zufrieden." "Einer der erfreulicheren Aspekte am Film", so sagt er, "besteht darin, eine Geschichte auf die Beine zu stellen, die bereits erzählt worden ist. Es wird eine Welt wieder erschaffen, und eine Geschichte wird erzählt," sagt er nachdrücklich. "Es ist der Beginn eines Epos, der erste Teil eines Neunteilers, wenn man so will. Und er geht zurück in die Vergangenheit, um sich mit den Jedi-Rittern zu beschäftigen, über die in den drei Filmen immer rückblickend in der Form gesprochen wurde, daß sie vom Aussterben bedroht waren. "Es gibt nur noch wenige von ihnen, und sie wurden immer als eine Macht genannt, mit der man zu rechnen habe," erläutert er. "Wir begeben uns zurück an den Anfang und zeigen, wie die ganze Geschichte eigentlich angefangen hat." Er macht eine kurze Pause, bevor er hinzufügt: "Ich persönlich würde in Star Wars nicht nach einer religiösen Botschaft suchen, denn das Wunderbare an dem Film ist, daß er auf so vielen verschiedenen Ebenen funktioniert. Es gibt allerdings auch eindeutig eine religiöse Seite, weil diese Macht existiert. "Aber im Film findet sich auch Humor. Und Action. Ich halte ihn vielmehr für ein Märchen, eine Fabel oder eine Legende, die in einer zynischen Zeit präsentiert wird, in der unseren Kindern keine Märchen mehr erzählt werden. Auf seine Art erzählt der Film ein Märchen," überlegt er. "Es gibt einen Prinzen, eine Prinzessin, einen Hofnarr und einen Zauberer. Wir können diese Charaktere begreifen. Es ist der Kampf zwischen Gut und Böse. Sogar Politik wird einbezogen! Das ist alles da, darum kann man [den Film] auf verschiedenen Ebenen betrachten. "Mir gefällt wirklich diese Tatsache, daß es ein Film für Kinder ist," fährt er fort. "Mir gefällt die Tatsache, daß sie ihn sich ansehen können. Ich habe noch keinen Film gedreht, den Kinder sehen konnten oder wollten. Das gefällt mir. Und es gefiel mir auch, den Film selbst zu sehen. In der Reihe vor mir saßen ein paar Kinder, bei denen ich mich daran erinnert fühlte, wie es für mich war, als ich als Kind den ersten Film sah. Es ist toll. Es ist ein wunderbares Gefühl, weil Kinder einfach phantastisch sind." Er stimmt zu, als der Gedanke ausgesprochen wird, daß sich erwachsene Star Wars-Fans genauso mit dem Film verbunden fühlen. "Richtig," sagt er. "Bei den Fans, den richtig harten Star Wars-Fans ist es so, daß sie das gleiche erleben, wie damals, als sie den ersten Film zum ersten Mal sahen, als sie noch Kinder waren. Jetzt sind sie erwachsen und es wird für sie nicht ganz so sein wie für die Kinder, aber ich glaube nicht, daß [die Erwachsenen] enttäuscht sein werden." War [sic] für ihn persönlich so aufregend war, als er Star Wars zum ersten Mal sah, war die Tatsache, daß sein Onkel, der Schauspieler Denis Lawson, als X-Wing-Commander Wedge in den ersten drei Filmen mitspielte. Heute freut sich Ewan auf den Tag, an dem seine Tochter alt genug ist, um verstehen zu können, welche Bedeutung die Arbeit ihres Vaters hat. Der Schauspieler sagt, daß er sich noch sehr genau daran erinnert, wie seine Mutter ihn von der Schule abholte, um mit ihm zusammen den ersten Star Wars-Film anzusehen. "Ich erinnere mich noch immer an alles, was ich an dem Tag gefühlt habe. In ein paar Jahren möchte ich das mit meiner Tochter auch machen. Ich möchte sie von der Schule abholen und sie das gleiche erleben lassen, was ich erlebt habe." Ewans Tochter ist die dreijährige Clara Mathilde, deren Mutter Eve Mavrakis ist, eine erfolgreiche Produktionsdesignerin, der er bei Kavanagh QC begegnete. Die beiden heirateten 1995 und ließen sich in London nieder, und sie haben nicht die Absicht in Ewans gelobtes Land des Starruhms umzuziehen. "Ich möchte dort nicht leben," sagt er ohne Zögern, wenn man ihn fragt, ob er nach Hollywood umziehen würde. "Ich arbeite von London aus, ich bin da sehr glücklich," sagt er mit Nachdruck. Ja, er ist auch absolut glücklich darüber, daß er verheiratet ist, auch wenn seine Frau nicht unbedingt über seine Nacktszenen in früheren Filmen glücklich ist, ob man sie nun als Kunst bezeichnet oder nicht. "Es ist nicht schön," sagt er offen und ehrlich, als er gefragt wird, wie sich seine Frau fühlt, wenn sie ihren Mann in einem Film mit einer anderen Frau im Bett sieht. "Ich würde mir das umgekehrt auch nicht ansehen wollen. Man muß damit sehr feinfühlig umgehen, weil es nichts Normales oder Natürliches ist. Es ist einfach nur Teil des Jobs, und meine Frau geht damit sehr selbstbewußt um. Von daher ist es in Ordnung. Ich bin aber sicher, daß es nicht sehr schön anzusehen ist." Sicher ist, daß er sich in keinem der Star Wars-Filme seiner Robe wird entledigen müssen, und es ist auch nicht anzunehmen, daß ihm das in anderen Filmen widerfahren wird, nachdem er durch Star Wars zu neuem Ruhm gekommen ist. Viel wahrscheinlicher ist, daß er auf der Erfolgswelle von Star Wars ins nächste Jahrtausend segeln wird. Zweifellos wird er auch mehr Zeit für sein Hobby außerhalb von Familie und Schauspielerei finden. "Ich interessiere mich nicht sehr für Fußball, aber ich fahre Motorrad," verrät er. "Dabei lasse ich wirklich Dampf ab. Ich bin in London in einem Rennteam, in der Sommersaison fahren wir Rennen. Das ist meine andere Leidenschaft. Motorräder sind das, was ich brauche, um bei meiner Arbeit einen klaren Kopf zu behalten." In den nächsten Monaten und Jahren wird er zweifellos oft auf seinem Motorrad zu finden sein, um einen klaren Kopf zu behalten. Immerhin wird man mit mehr Bitten und Vorschlägen an ihn herantreten, als er überhaupt Zeit hat, ganz abgesehen davon, daß er dank einer ihm nachempfundenen Actionfigur selbst zur Legende werden wird. Über diesen Punkt sagt er: "Das ist zu verrückt. Das ist wirklich eine völlig verrückte Sache, aber es ist toll!" |