Auszug aus dem Stern, Nr. 21, 20.05.1999

Ewan McGregor ist ein armer Kerl. Hat nur einen einzigen Kopf, seine Ohren gehen nicht mal bis zu den Schultern und fliegen kann er auch nicht. Da braucht er sich eigentlich nicht zu wundern, daß er bei den Dreharbeiten die meiste Zeit damit zubrachte, vor leerer Leinwand bedeutungsvoll die Stirn zu runzeln und irgendwo in Augenhöhe Blickkontakt mit jemandem zu suchen, der gar nicht da war und erst später per Computer in den Film kopiert wurde. Jemand, der zwei Köpfe hatte. Oder Ohrwascheln bis zur Taille. Und fliegen kann wie ein Kolibri.
   Der junge schottische Schauspieler ("Trainspotting") hätte es wissen müssen: Menschen haben es nicht leicht in George Lucas' Reich. Im Abspann stehen sie zwar vorne, aber bei den Draharbeiten stehen sie meistens dumm rum. Wichtiger sind Effektspezialisten und Techniker, Ausstatter und Computerfreaks. Schließlich: Der Krieg der Sterne ist kein Kammerspiel. [...]


Ewan McGregor am Tag nach der ersten Vorführung auf die Frage, ob er die politische Situation erklären könne: "Hm, keine Ahnung."
   Ewan McGregor kommt dann ziemlich schnell ins Bild: als jugendlicher, schwänzchen-bezopfter Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi (der in den anderen, sternenzeitlich eine Genaeration anch der "Episode I" spielenden Filmen von Sir Alec Guinness dargestellt wird). Er ist mit seinem vorgesetzten Jedi Qui-Gon Jinn (Liam Neeson) in wichtiger Mission unterwegs, bekommt Ärger, muß notlanden auf dem Planeten Tatooine und macht Bekanntschaft mit einem kleinen Jungen namens Anakin Skywalker (Jake Lloyd), aus dem dann später der böse Darth Vader wird. [...]


Beginn soll nächsten Sommer sein. Ewan McGregor wird wieder in die Jedi-Kutte steigen. Denn unterschrieben hat er für die nächsten beiden Folgen. Und dann wird er wieder seine Stirn runzeln und ins Leere gucken "und unglaublich.... tief.... nachdenken." Die Macht wird's schon richten.



Auszug aus der TV-Spielfilm, 19.6.-2.7.1999

Interview Ewan McGregor:

TV Spielfilm: Sie sind mit den "Star Wars"-Filmen aufgewachsen, und jetzt spielen Sie selbst einen Jedi. Was ist das für ein Gefühl?
Ewan McGregor: Cool! Es sieht gut aus, und es ist verdammt cool.

TV Spielfilm: Haben Sie mit ihrem "Vorgänger" Alec Guinness gesprochen?
Ewan McGregor: Ich wüßte nicht, worüber ich mit ihm reden sollte. Er ist ein brillianter Schauspieler, aber alle Leute sprechen ihn nur auf "Star Wars" an, als ob er sonst nichts gemacht hätte. Ich glaube, davon muß er ziemlich genervt sein.

TV Spielfilm: Könnte es Ihnen in zwanzig Jahren nicht genauso gehen? Ewan McGregor: Und ich wäre bestimmt genervt. Ich werde immer noch von Leuten gefragt, wie ich damals in "Trainspotting" in diese Kloschüssel getaucht bin. Damit bin ich für den Rest meines Lebens verflucht - "Wie bist Du in dieses Klo getaucht?"

TV Spielfilm: Es hieß in den Medien, der "Star Wars"-Dreh hätte Sie gelangweilt?
Ewan McGregor: Das sind die Medien! Ich habe darüber gesprochen, wie anstrengend, langwierig und und wie heiß es war, und plötzlich war es "Der langweiligste Film ,den ich je gemacht habe." Das gab reichlich Ärger mit den Produzenten. Aber ich habe wirklich Spaß gehabt, und ich freue mich auf die nächsten beiden Folgen. Wie könnte ich gelangweilt sein. Mann, es ist "Star Wars" - wow!!

TV Spielfilm: Was passiert in den nächsten beiden Folgen?
Ewan McGregor: Ich habe nur eine vage Vorstellung vom Plot, ich weiß nicht einmal, ob das Drehbuch schon steht.