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Jedi, Jesus und JoyceDerbe Manieren, kluger Kopf: Ewan McGregor, Star aus "Trainspotting" über die Allüren der Dichter und die Lügen der Kirchevon Nina RehfeldKein Hollywood-Weichei, sondern ein handfester Schotte ist dieser Ewan McGregor. Einer mit vielen Gesichtern. In der Rolle des Junkies Mark in "Trainspotting" wurde der 29-Jährige bekannt, in "Star Wars: Episode II" spielt er den jungen Helden Obi-Wan Kenobi. In seinem neuen Film "Nora" porträtiert er James Joyce, den irischen Kauz, der zum Kult-Dichter wurde. Dies ist eine Rolle, die man nicht unbedingt von Ihnen erwartet hätte. Wenn man so will, ist dies meine erste Erwachsenenrolle. Schluss mit den kleinen Jungs! Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet? Ich habe mir die Fotografien von Joyce angeguckt und mit Regisseur Pat Murphy gesprochen. Sie haben nicht "Ulysses" gelesen? Nein, noch nicht. Die Fotos waren mir wichtiger. Sie zeigen, was für eine Art Mensch jemand ist, welche Haltung er hat und wie er sein Aussehen verändert. Ich glaube, Joyce war intellektuell ziemlich erschreckend. Ich stelle mir immer vor, wenn ich ihn getroffen hätte, hätte er mich die ganze Zeit reden lassen, um am Ende eine zerstörerische Kleinigkeit zu sagen. Und es gab übrigens auch etwas an seinen Händen, das mich fasziniert hat. Sex war ja ein wichtiger Aspekt in seinem Leben - und der Mann hatte derart obszöne Finger! Joyce nutzte Sex als Inspiration. Wie eng glauben Sie, sind Erotik und Kunst verwandt? Interessante Frage, leider habe ich mir darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Vermutlich ist es so, daß geniale Künstler sich der Welt um sich herum bewußter sind als andere. Sie sind andere Menschen gegenüber sensibler und haben vielleicht auch eine größere sexuelle Sensibilität. Joyce hielt sich für einen genialen Künstler, lange bevor andere ihn so sahen. War er ein arroganter Fatzke? Man muß sich nur mal vorstellen, was für ein grandioser Glauben an sich selbst nötig ist, um jahrelang ohne die geringste Anerkennung zu arbeiten! Die meisten nennen das Arroganz, aber wahrscheinlich ist es nichts weiter als der feste Glaube an sich selbst. Joyce hat seine Heimat Irland verlassen, weil er die lähmende Macht der Kirche verfluchte. Können Sie als Schotte diese Einstellung teilen? Oh, ja. Eigentlich wurde ich ohne Religion erzogen, aber mit 13 oder 14 hat es mich gepackt. eine kurze Phase lang war ich dann ein sehr, sehr christlicher Mensch, aber ich hatte Glück, das ganze zu durchschauen. Was ist passiert? Ich saß in der Kirche, wo der Vater meines Freundes über die Sünde der Masturbation sprach - und ich wußte, daß dieser Mann regelmäßig seinen Sohn verprügelt. Da dachte ich: Fuck you! Die Kirche ist unglaublich verlogen. Sie haben mit vier Schauspielkollegen die Produktionsfirma Natural Nylon gegründet, um unabhängig arbeiten zu können. Hat sich die ersehnte Freiheit eingestellt? Ja, "Nora" hat vollkommen bestätigt, wofür Natural Nylon gegründet wurde. Nämlich, Filme auf unsere Art zu machen und nicht irgendwelchen Konventionen folgen zu müssen. Als ich kürzlich meinen ersten Kurzfilm gedreht habe, habe ich mich mit den Produzenten gestritten, weil irgendetwas nicht ins Hollywood-Konzept paßte. Davon wollte ich unbedingt weg und stattdessen das machen, was ich für richtig halte. Gehen Sie da nicht mit sehr gemischten Gefühlen an den Set von "Star Wars: Episode II", wo im September der Dreh beginnt? "Nora" und "Star Wars" kann man ja nicht vergleichen. Aber wer weiß, vielleicht haen die "Star Wars"-Macher auch dieses schöne Gefühl, das ich bei "Nora" hatte. Was kommt nach Jedi und Joyce? Oh, wie wär's zum Beispiel mit Judas, Jesus oder einigen anderen, die mit J anfangen. Nein, im Ernst, nach "Star Wars" werde ich eine lange Pause machen. Eigentlich plane ich, bis Sommer 2001 nicht zu arbeiten. Aber letztendlich wid es doch wohl einfach darauf ankommen, wie ich so drauf bin. |